[Rezension] Steven Uhly – Marie

Zu diesem Buch:
Der zwölfjährige Frido erzählt seiner kleinen Schwester Chiara eine aufwühlende Gutenachtgeschichte. Sie handelt von einem alten Mann, der ein Baby stiehlt. Als Chiara kurz darauf ihrer Mutter davon berichtet, reagiert diese schockiert. Im Affekt schlägt sie ihre Tochter. Ein Geheimnis, ein Tabu ist greifbar. Von diesem Moment an gerät die kleine Familie aus dem Gleichgewicht. Veronika Kelber reibt sich auf zwischen ihrem Anspruch, gleichzeitig eine gute, alleinerziehende Mutter zu sein, einen neuen Partner zu finden, die Ablehnung ihres Ex-Mannes zu ertragen und jenes Wundmal zu heilen, das sie unablässig an ihr furchtbares Versagen als Mutter, Frau und Mensch erinnert. Als sie schließlich die Kontrolle über ihr Leben verliert, reißt sie ihre drei Kinder mit in einen Strudel von Ereignissen, die alles verändern werden.

Über den Autor:
Steven Uhly, 1964 in Köln geboren, studierte Literatur, leitete ein Institut in Brasilien, übersetzt Lyrik und Prosa aus dem Spanischen, Portugiesischen und Englischen. Sein Roman „Glückskind“ wurde zum Bestseller und von Michael Verhoeven für die ARD und ARTE verfilmt. „Marie“ ist sein fünfter Roman. Er lebt mit seiner Familie in München.

Meine Zusammenfassung:
Frido Kelber ist zwölf Jahre alt und kümmert sich um seine beiden jüngeren Schwestern Mira und Chiara. Er bringt sie morgens zur Schule und hetzt danach zu seiner eigenen, die in einer ganz anderen Richtung liegt und kommt dabei immer wieder zu spät. Nichtsdestotrotz ist er ein ausgezeichneter Schüler. Er sollte eigentlich auf die Realschule gehen, die zu der Grundschule seiner Schwestern gehört, doch hat seine Mutter leider die Anmeldung verpasst und er wurde auf die andere Schule geschickt. Am Nachmittag holt er sie selbstverständlich wieder ab.

Seiner jüngsten Schwester, der sechsjährigen Chiara, erzählt er vorm Schlafen gehen immer wieder Gute-Nacht-Geschichten, die sie für ihr Leben gerne hört. Doch die letzte Geschichte die er ihr erzählt hat, hat es in sich. Und als Chiara diese freudestrahlend ihrer Mutter während des Kochens erzählt, ist Veronika Kelber alles andere als erfreut und so schockiert, dass sie ihrer Tochter plötzlich eine Ohrfeige verpasst.

Chiara versteht nicht, was sie falsch gemacht hat und denkt immer wieder darüber nach, was es mit dieser Geschichte von dem alten Mann, der ein Baby namens Marie stahl, auf sich hat. Frido, den deswegen immer mehr Gewissensbisse plagen, bereut sehr schnell, seiner kleinen Schwester diese Geschichte erzählt zu haben, so lässt sie doch keineswegs locker und fragt ihn immer wieder nach mehr Einzelheiten, sodass sich Frido in einem Gestrick aus Lügen und kleineren Unwahrheiten verstrickt.

Während er versucht das Geheimnis um die Geschichte zu wahren, um seine Mutter nicht noch wütender zu machen, da diese gestresst genug als alleinerziehende Mutter ist und alles erdenklich mögliche tut, damit das Jugendamt ihr die Kinder nicht wegnimmt, passiert es immer wieder, dass er Chiara mehr und mehr erzählt.

Veronika hat es nicht leicht, so versucht sie doch, es ihren Kindern so leicht wie möglich zu machen und doch hält sie sich für die schlechteste Mutter auf der Welt. Sie tut sich schwer damit, Gefühle zu zeigen, doch am schwersten fällt es ihr bei der kleinen Chiara. Der Vorfall von vor sechs Jahren lässt sie einfach nicht los, so glaubt sie doch immer noch, dass sie für ihre Tat damals bestraft werden muss. Sie kämpft seitdem mit Depressionen und damit, durchzuhalten und alles richtig zu machen.

Warum musste ihr geliebter Ehemann Leo sie auch damals für seine dumme Affäre verlassen und mit ihr eine neue Familie gründen? Sie hätte gar keine Kinder kriegen dürfen, sie wusste doch, das Leo keine Kinder will und dann kam auch noch das dritte …

Frido ist für sie ein wundervoller Junge, der sich um alles kümmert, ihre zehnjährige Tochter Mira macht ihr dagegen Angst, wo sie doch so launisch ist und so ganz anders, als ihr lieber Sohn. Und Chiara … sie schafft es einfach nicht, die richtigen Gefühle für sie aufzubringen. Besonders dann nicht, als sich plötzlich die Ereignisse überschlagen; erst die Ohrfeige die sie ihrer Jüngsten verpasst hat, dann, dass Frido der Kleinen diese dumme, alte Geschichte erzählt hat oder Mira, die es vermutlich so gerade auf die Hauptschule schaffen wird, da sie sich nicht bemüht sich in der Schule anzustrengen.

Und dann begegnet sie auch noch Leo wieder, was alles in ihr aufreißt und sie selbst und damit ihre Kinder mit in einen Abgrund reißt, der alles verändert. Und was hat es eigentlich mit diesem geheimnisvollen alten Mann aus dem Kiosk, um den Veronika jeden Tag aufs Neue einen weiten Bogen macht, auf sich?

Meine Meinung:
„Marie“ ist eine wirklich tragische Familiengeschichte, voller Emotionen die einen von Freude über Wut bis hin zu Trauer mitreißt. Eine Geschichte, bei der man nur ahnen kann, was passiert und dem Geheimnis dabei immer näher kommt.

Ich wusste teilweise nicht, für wen der Charaktere ich am meisten Mitleid empfinden sollte; Veronika, die sich so sehr bemüht, sich um ihre Kinder zu kümmern und das mit aller Kraft und sie dennoch nicht weiß, wofür sie dies tut und immer wieder scheitert, oder gar für ihre Kinder.

Auf jedem einzelnen ihrer drei Kinder lastet eine so große Bürde, die für Kinder in diesem Alter tragisch sein muss. Ein zwölfjähriger Junge, der nicht nur die Verantwortung für seine jüngeren Schwestern trägt und sich in vollem Umfang um sie kümmert, und dann auch noch dafür sorgt, dass es seine Mutter pünktlich zur Arbeit schafft und dabei in Kauf nimmt, selbst tagtäglich zu spät zur Schule zu kommen.

Mira, die sich für die Situation um ihre Familie herum schämt und sich heimlich mit ihrem drei Jahre älteren Freund Arian trifft, statt sich um ihre Hausaufgaben oder ihre jüngere Schwester zu kümmern und sich sogar bei der Familie ihrer besten Freundin Hanna viel wohler und willkommener fühlt. Auch Chiara hat es nicht leicht, versucht sie doch immer wieder die Aufmerksamkeit ihrer Mutter zu bekommen, die diese allerdings immer wieder ablehnt, aus Gründen, die es aufzudecken gilt.

Auch der Vater der drei Sprösslinge interessiert sich eher weniger für sie, seit er seine neue Frau Irene und das Baby Emma hat, denen er seine ganze Zeit und Liebe widmet. Es ist wirklich traurig, wo doch alle drei Kinder wirklich liebevolle Charaktere sind, die so ein Leben nicht verdient haben.

So wächst man allerdings immer mehr in die Geschichte hinein und durchlebt in dieser Zeit allerlei Emotionen, die sich am Ende doch tatsächlich lohnen.

Mein Fazit:
Eine wirklich herzzerreißende Familiengeschichte, in die ich tatsächlich gerne noch weiter eingestiegen wäre. Das Ende allerdings war mir zu knapp und abgeschnitten, daher einen Punkt Abzug. Ansonsten eine klare Leseempfehlung.

4 von 5 Sternen.

Interesse? Dann kaufe das Buch sehr gerne hier.

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