[Rezension] Karen Bojsen – Möwenherz

Zu diesem Buch:
Eigentlich will Ebba das Erbe ihrer Großmutter nicht antreten. Sie reist mit dem Stargeiger Jona Bennett um die Welt, wie soll dazu ein altes Kapitänshaus samt Museum passen? Doch unerwartet muss auch Jona sein rastloses Leben ändern, und so landen die beiden an der Nordseeküste statt in New York. Während Ebba versucht, vor einer alten Schuld davonzulaufen, stellt Jona das Museum auf den Kopf – und ihr Herz auf die Probe. Denn da ist auch noch Finn, Ebbas große Liebe aus Kindertagen, dem sie unverhofft in diesem langen Sommer am Meer wiederbegegnet …

Über die Autorin:
Karen Bojsen ist das Pseudonym der Hamburger Autorin und DELIA-Preisträgerin Katrin Burseg. Nach ihrem Studium der Literatur und Kunstgeschichte in Kiel und Rom arbeitete sie als Journalistin. Hamburg ist ihr Sehnsuchtsort, sie lebt mit ihrer Familie im Herzen der Stadt.

Meine Zusammenfassung:
Ebba und Jona sitzen gerade im Flugzeug, als Jona seine erste Panikattacke bekommt und völlig durchdreht. Er löscht alle Termine, die Ebba mühevoll im Kalender gespeichert und erarbeitet hat. Sie schafft es, ihn halbwegs zu beruhigen, doch die Termine sind verloren. Was ist nur auf einmal mit Jona los? Der Stargeiger hat doch sonst keine Probleme mit dem Fliegen oder allgemein mit Flugangst zutun. In Amsterdam angekommen, lässt Caroline vom Musikverlag einen Arzt kommen, der Jona durchchecken soll, damit er seine weitere Reise antreten kann um sein Konzert zu spielen, auf das alle schon so lange warten, doch Jona weigert sich.

Zu allem Überfluss erhält Ebba auch noch einen Anruf von ihrer Mutter, dass ihre Großmutter Gesa verstorben ist und Ebba sofort nach Emilienkoog an der Nordsee fahren muss um sich um die Beerdigung und alles zu kümmern, da sie selbst auf der Baustelle für ihren neuen Vergnügungspark bleiben muss. Das hat Ebba gerade noch gefehlt … und wie konnte ihre Großmutter überhaupt sterben? Um dem nachzugehen, macht sie sich gemeinsam auf die Reise von Amsterdam nach Emilienkoog und ihrer Vergangenheit, die sie schon so lange verdrängt hat …

Jona dagegen hat mit ganz anderen Dämonen zu kämpfen, von denen er Ebba lieber nichts erzählt. Seine Panikattacke hatte nichts mit dem Flug zutun sondern eher damit, dass er wieder auf dem Weg zu einem weiteren Konzert war. In ihm macht sich schon seit längerem die Angst davor breit, weiterhin auf seiner Geige zu spielen. Jona würde alles dafür tun, sein nächstes Konzert nicht spielen zu müssen. Alleine wenn er daran denkt, steigt die nächste Panikattacke in ihm hoch.

So kommt es, dass er sich während eines kurzen Zwischenstopps auf dem Weg an die Nordsee auf einen kurzen Spaziergang begibt der damit endet, dass er mit voller Kraft in einen Drahtzaun fast und sich damit die Handfläche komplett aufreißt. Er lässt Ebba jedoch glauben, dass dies ein Unfall war und behält seine Angst weiterhin für sich, während sie sich auf den Weg zu einem Arzt machen, den Ebba noch von früher kennt.

Zur etwa gleichen Zeit in einer Herzklinik in Hamburg hat Finn damit zu kämpfen, dass er fast den Bypass eines Patienten verhunzt hätte. Er weiß jedoch nicht, was mit ihm los war. Diese innere Stimme, die ihn als Tölpel bezeichnet hat, hat ihn so in seiner Konzentration gestört, dass er für einen kurzen Moment abgelenkt war. Zu seinem Glück jedoch hat er die nächsten zwei Wochen Urlaub, den er mit seiner aktuellen Freundin Julia verbringen wird. Sein Professor gibt ihm jedoch mit auf den Weg, dass er sich daran machen sollte, seinen inneren Dämonen auf den Grund zu gehen.

Während eines Zwischenstopps auf dem Weg zu Julia, die ihm schon gefühlte hundert Nachrichten hinterlassen hatte, überlegt er es sich jedoch anders und begibt sich auf eine andere Reise zurück in seine alte Heimat nach Emilienkoog, in der Hoffnung, dort seinen inneren Konflikten auf den Grund gehen zu können.

Was jedoch keiner erwartet hätte, weder Ebba noch Finn, dass sie beide dort aufeinander treffen. Eine alte Liebe aus Kindertagen, die nach vielen schrecklichen Ereignissen auseinander gerissen wurde und mit wenig Hoffnung beglückt war, je wieder aufleben zu können. Besonders jetzt nicht, wo Ebba mit ihrem Freund nach Emilienkoog zurückgekehrt ist, zu einem weiteren schrecklichen Ereignis.

Doch während Ebba sich um Jona kümmert, wie dieser wieder zu seiner Leidenschaft der Musik zurückzufinden und Finn sich den gestrandeten Pottwalen widmet und dabei hilft herauszufinden, warum diese im Wattenmeer stranden und Jona versucht, das Erbe des alten Hauses ihrer Großmutter und dem gesamten Museum das dazu gehört zu retten, welches Ebba nicht antreten möchte, scheint die Vergangenheit alle einzuholen. Gefühle werden aufgewirbelt und viele Geheimnisse, die nicht länger verborgen bleiben können, werden gelüftet. Doch wessen Herz schlägt am Ende für was und vor allem, für wen?

Meine Meinung:
Möwenherz ist in meinen Augen eine wundervolle Geschichte mit viel Herz und auch ein wenig verstecktem Humor. In dieser Geschichte geht es tatsächlich darum, wie drei Personen mit ihren inneren Dämonen kämpfen und sich ihnen stellen müssen. Angst spielt dabei eine große Rolle. Sei es die Angst die Jona umhertreibt, dass er sein Talent verlieren könnte oder auch Angst davor, die Liebe zu seiner Musik zu verlieren. Die mehr oder weniger unfreiwillige freiwillige Auszeit die er sich durch seine Verletzung verschafft hat, gibt ihm die Zeit über sich und seinen weiteren Weg nachzudenken.

Auch Ebba hat viele Dämonen in sich, die sie aus ihrer Vergangenheit mitbringt und zu bekämpfen hat. Die Auszeit für Jona ist auch gleichzeitig eine Auszeit für sie, wo sie doch ihre ganze Zeit damit verbringt, alles für Jona zu planen und vorzubereiten und ihr Leben quasi nach ihm richtet. Doch nun ist sie an der Reihe und der Tod ihrer Großmutter ist der erste Schritt, sich selbst zu finden und sich der Vergangenheit und den damit verbundenen Schuldgefühlen endlich zu stellen.

Finn ist auf einem ähnlichen Weg wie Ebba, denn auch er gehört zu der Vergangenheit, die Ebba so lange zu verdrängen versucht hat. Auch er hat mit Schuldgefühlen zu kämpfen, über die er es nie geschafft hat, hinwegzukommen.

Es ist aufregend zu verfolgen, was hinter all den Geheimnissen aus der Vergangenheit steckt und wie die drei über sich hinauswachsen und sich den Problemen mit der Zeit stellen. Auch wenn es immer wieder passiert, dass es keiner von ihnen schafft, über den eigenen Schatten zu springen, ziehen sie ohne es unbedingt zu wissen, am gleichen Strang.

Mich hat dieses Buch kaum losgelassen, als ich einmal in der Geschichte drin war. Es lies sich so wunderbar leicht lesen und hat mich einfach mitgenommen in eine Welt an der Nordsee, die ich so noch nicht kannte, aber gerne mehr von erlebt hätte.

Mein Fazit:
Es ist nicht immer leicht, sich seiner Vergangenheit zu stellen, aber es ist spannend herauszufinden, was sie für einen bereithält.

4 von 5 Sternen.

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